Renhao Luo aus China verbringt ein Jahr in einer deutschen Gastfamilie
- Veröffentlicht am Mittwoch, 27. Juni 2012 09:07
- Kategorie: Hanau
Das Foto zeigt Renhao Luo mit seiner Hanauer Gastfamilie Gunther, Astrid und Vincent Desinger (v. l. n. r.) Foto: PrivatHanau. Als Renhao Luo (17 Jahre) im Juli 2011 aus Tianjin (12,3 Millionen Einwohner, nahe Peking) nach Hanau kam, sprach er nur sehr gebrochen Deutsch, schließlich hatte er bislang nur einen Deutschkurs im Goethe-Institut in seiner Heimat und einen vierwöchigen Sprach- und Kulturkurs nach seiner Ankunft in Deutschland besucht. Dies hat sich nach fast einem Jahr in Deutschland deutlich verändert. Wer Renhao jetzt trifft, kann sich fließend mit ihm auf Deutsch verständigen und er hat viel über seine Erlebnisse in Deutschland zu erzählen.
Renhao hat auf der Hohen Landesschule (HOLA), an der er die 10. Klasse besucht, Freunde gefunden. Er wurde sehr freundlich empfangen und freut sich, dass so viele Schüler auf ihn zugegangen sind und mit ihm Kontakt aufgenommen haben. Mit seinen in Hanau gewonnenen Freunden verabredet er sich gerne zum gemeinsamen Essen oder für Kinobesuche.
Was ist an der HOLA anders als an seiner Schule in Tianjin? Zunächst einmal basierten die Noten in China vor allem auf den schriftlichen Leistungen, mündliche Beteiligung spiele kaum eine Rolle, urteilt Renhao. Besonders schätzt er an der HOLA neben den freundlichen Lehrkräften die Mediotheken mit ihrem umfangreichen Bücherbestand und die vielen Informationstafeln für Schülerinnen und Schüler zu verschiedenen Austauschprogrammen, zu Ausbildungsmöglichkeiten, Abitur und Studium.
Ihm ist aber auch nicht entgangen, dass deutsche Schülerinnen und Schüler im Unterschied zu den chinesischen Jugendlichen wesentlich mehr Freizeit haben. Unterricht in seiner Schule beginne immer um 8.00 Uhr und ende um 16.00, 17.00 oder mitunter auch erst um 18.00 Uhr. Dass ein Schüler auch mal erst am späteren Vormittag oder gar am Nachmittag mit dem Unterricht beginne, komme an seiner Schule in China nicht vor.
Die Stadt Hanau findet Renhao klein, aber fein. Er schätzt den Hanauer Wochenmarkt, der im Unterschied zu chinesischen Wochenmärkten weit mehr bietet als nur die Möglichkeit, frische Lebensmittel zu kaufen, sondern auf dem auch Bratwürste verkauft werden. So etwas sei auf einem chinesischen Wochenmarkt undenkbar.
Als Gruppenleiter der Organisation Youth For Understandig Komitee e.V. (YFU, www. yfu.de), mit der Renhao nach Deutschland gekommen ist, hat er auch ein Treffen mit anderen Gastschülern in Hanau organisiert, bei dem die Gruppe sich auf den Märchenfestspielen die Inszenierung von „Das tapfere Schneiderlein“ angesehen hat. Die Märchen der Brüder Grimm hat er bereits als Kind in China gelesen, wo sie ebenfalls sehr verbreitet und beliebt sind.
In seiner Gastfamilie hat Renhao vieles gelernt. Während er zu Hause in China als einziges Kind aufwuchs, hatte er in Hanau einen „Gastbruder“, Vincent Desinger. So erforderte die Planung des Tages Absprachen mit allen Familienmitgliedern. Besonders schätzt Renhao das gemeinsame Abendessen in der Familie, bei dem die Erlebnisse des Tages besprochen werden – diese Tischgespräche am Abend kennt er aus seiner Heimat nicht in dieser Form.
Und die deutsche Mentalität? Deutsche seien viel direkter als Chinesen, findet Renhao. Aber er hat gelernt, damit umzugehen. Kurios findet er, dass die deutschen Schüler an den beiden Schulkiosken der HOLA so diszipliniert in einer Schlange anstehen und warten, bis sie an der Reihe sind. Dies würde in China anders ablaufen, ist sich Renhao sicher. Auf die Frage, was für ihn typisch deutsch sei, nennt er Wurst, Brezel, die „Maß“ Bier und belegte Brötchen. Letztere würden in Deutschland zu jeder Tageszeit gegessen. Zwar gebe es belegte Brötchen auch in China, dies sei aber eher die Ausnahme auf dem Speiseplan. Besonders bedauert Renhao, dass es in China keinen Döner gebe. Diesen hat er in Deutschland schätzen gelernt und ist überzeugt, dass die Einführung des Döners in China eine gute Geschäftsidee wäre. Umgekehrt müsse sich in Deutschland die Reisqualität noch erheblich verbessern, Reis schmecke hier einfach nicht so gut wie in China.
Renhao hat für die Zukunft schon konkrete Pläne, er möchte in Deutschland Luft- und Raumfahrttechnik studieren. Ob er dafür das Abitur in Deutschland oder in China ablegen wird, steht noch nicht fest. Eine Rückkehr nach Deutschland ist jedenfalls geplant.
Nach seiner wichtigsten Erkenntnis aus diesem Auslandsjahr gefragt, beschreibt Renhao seinen Lernprozess in Deutschland wie folgt: „Man muss sich selbst verändern, um andere zu verstehen. Dann kann man auf sie zugehen.“
Um auch anderen Schülerinnen und Schülern unvergessliche Auslandserfahrungen zu ermöglichen, sucht YFU ständig nach Gastfamilien, die bereit sind, für ein Jahr einen Austauschschüler aufzunehmen. Der Gastgeberbogen für interessierte Familien ist erhältlich unter www.yfu.de/gastfamilie-werden. (hola)







