23. Mai 2013

Rainer Schlegelmilch fotografiert seit 50 Jahren Autorennen

Er ist das Auge der Formel 1 und auch ihr größtes Archiv: Rainer Schlegelmilch, der dienstälteste Formel-1-Fotograf weltweit. Das Archiv des Frankfurters umfasst nahezu eine halbe Million Fotos - eine eindrucksvolle Zeitreise durch den Auto-Rennsport.
Frankfurt. „Ich drück nur drauf, wenn’s gut ist“, sagt Rainer Schlegelmilch. Unter seinen Aufnahmen finden sich allein 30.000 Fotos von Michael Schumacher oder 12.000 von der Rennfahrerlegende Ayrton Senna. Sein Archiv mit Fotoschätzen aus der Formel-1-Geschichte, rund 460.000 Fotos, sei seine „Altersvorsorge“, sagt der 67 Jahre alte Frankfurter Fotograf schmunzelnd. Seit 50 Jahren fotografiert er die Formel 1. Entstanden sind daraus zahlreiche Bildbände. Einen neuen mit dem Titel „Schlegelmilch - 50 years of Formula 1 Photography“ hat er gerade in Arbeit - ein Band, der eine eindrucksvolle und faszinierende Zeitreise durch die Formel 1 zu werden verspricht. Den Wandel des Rennsports sichtbar machen

Angefangen hat seine Karriere in Schwarzweiß. Seit 1962 fotografiert Schlegelmilch die Autorennen, und seit 1963 ist er in jedem Jahr in Monte Carlo dabei. „Da beginnt für mich der Frühling“, strahlt Schlegelmilch, der heute wie damals mit seinem Auto nach Monte Carlo reist, weil es „toll ist, mit dem Auto durch die Berge zum Meer zu fahren.“ Rund 580 Formel 1 Rennen hat er in seinem Leben besucht. „Natürlich sinkt da irgendwann der Adrenalinspiegel. Vielen Fotografen fehlt dann irgendwann der gewisse Kick.“ Während das bei zahlreichen seiner Kollegen dazu führt, dass sie ihren Job an den Nagel hängen, ist er seiner Passion treu geblieben. An Aufhören denkt er keinesfalls. Geholfen hat dem studierten Fotografen, dass er seine Fotografie nicht als tagesaktuelle Dokumentation begreift, mit der er möglichst rasch Agenturen und Medien beliefert, sondern gewissermaßen als Kunst. Seine Spezialitäten sind dabei das Früher und das Heute des Rennsports und das Sichtbarmachen des Wandels. Aber auch die hohe Geschwindigkeit nimmt er vielfach in den Fokus durch Mitzieheffekte oder längere Belichtungszeiten. „Ich würde keinen Spaß an meiner Arbeit haben, wenn ich nicht immer wieder neue Dinge entdecken würde.“
Orte, Rituale, Posen und Blicke der Fahrer

Veränderungen sichtbar machen, Ähnlichkeiten dokumentieren, Rennsport und Stimmungen einfangen - dafür kreuzt Schlegelmilch Zeiten, Orte, Rituale, Posen oder Blicke der Fahrer und findet dabei Themen und Formen, die selbst dem Motorsport nicht Zugeneigte begeistern. Jahr für Jahr hat er beispielsweise beim Grand Prix von Monaco alle Rennwagen in einer bestimmten Kurve fotografiert, immer aus derselben Perspektive. Oder Aufnahmen der Sieger auf dem Podest – ehemals wurde aus zarten Gläschen genossen, was heute als Champagnerdusche über die Fahrer schwappt – und Bilder der früheren Fahrer am Pool, die mit Zigarette im Mund und schönen Frauen im Arm angesichts ihres gefährlichen Sports dem Leben ein carpe diem entgegenzuschleudern scheinen oder die Ferraris von damals und heute. Eindrucksvoll auch eines seiner Porträts des 1994 in Imola tödlich verunglückten Ayrton Senna: Es zeigt den Rennfahrer einer Ikone gleich mit einer über das Haupt gezogenen weißen, feuerfesten „Balaclava“ – der Blick ernst, als ahne er sein Schicksal.
Gefährlicher Knochenjob

Überhaupt der Tod. Wie auf Schlegelmilchs Fotos zu sehen ist, hat sich in punkto Sicherheit an Wagen, Helmen oder Rennstrecken in all den Jahren viel verändert. Zahlreiche Unglücke und schmerzliche Verluste hat er aber auch erlebt und daher auch einige Male an Aufhören gedacht: „Der Tod von Jim Clark, Jochen Rindt, Ayrton Senna, das tat weh“, sagt er. Für einen wie ihn, der alle Fahrer kennt und kannte, half da nur eines: „Ich habe es gemacht wie die Fahrer. Die sind mittwochs zur Beerdigung gegangen und am Sonntag wieder gefahren.“ Und da seine Fotos zeigen, wie sich auch die Begrenzungen der Rennstrecken verändert haben, kann man ermessen, dass sein hochanstrengender und fordernder Knochenjob auch für ihn nicht immer ungefährlich war.
Chronist des Rennsports

Es war eher ein Zufall, der Schlegelmilch 1962 zur Rennsport-Fotografie brachte. Ein Freund nahm ihn mit zum Nürburgring. Gerade auf der Suche nach einem Thema für die Abschlussarbeit seines Fotografiestudiums, fing Schlegelmilch sofort Feuer. „Die Atmosphäre hatte mich fasziniert.“ Schlegelmilch, der als Werbefotograf den Rennsport nur hobbymäßig fotografierte, wurde zum wahren Chronisten des Rennsports. Der dreimalige Weltmeister Jackie Stewart hat ihm in einem seiner Bücher attestiert, dass er seinen Job unglaublich gut und professionell mache: „Schlegelmilch gehört zu den bekanntesten Personen des Geschäfts und ist hoch angesehen“, ist dort bei Stewart schwarz auf weiß nachzulesen.

Da man den fotografischen Blick nicht einfach abschalten kann wie eine Kamera, fotografiert Schlegelmilch natürlich auch in seiner Freizeit. Dann allerdings hat er eine Pocket-Kamera dabei, beispielsweise wenn er die ihn begeisternden Freilichtopern in Verona besucht oder wenn er mit seinem Rad mit 28-Gang-Schaltung entlang der Nidda unterwegs ist. Entdeckt er allerdings ein ganz tolles Motiv, muss er mit seiner großen Profikamera zurückkommen. (Astrid Biesemeier -  Quelle: "Stadt Frankfurt am Main, Presse- und Informationsamt")

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