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Erben, Vererben, Schenken oder doch lieber Behalten?

Grundlegendes zur Erbschaft- und Schenkungsteuer
Vermögensreglungen auf „Biertischniveau“ führen in der Praxis zur vermeintlichen Steuervermeidung oft zu aberwitzigen Gestaltungen. Da übertragen rüstige Sechziger ihren Grundbesitz an die Kinder, damit im Pflegefall das Immobilieneigentum nicht aufgebraucht wird und müssen dann u.U. akzeptieren im Alter ohne komfortable Versorgung dazustehen.

Andere übertragen hohe Barvermögen auf im Namen ihrer minderjährigen Kinder eingerichtete Anlagekonten um die 25%ige Zinsabschlagsteuer zu umgehen. Die Vermögensrückübertragung auf die Eltern führt dann u.U. zur Bestellung eines Rechtspflegers, evtl. zur Festsetzung von Schenkungsteuer mangels ausreichender Freibeträge und im ungünstigsten Fall zum Verlust des Kapitals und einem Steuerstrafverfahren. Natürlich ist dies alles schon in vielen Fällen „gut gegangen“, aber im Zeitalter des elektronischen Datenaustausches hilft dies bei zunehmender Aufdeckung dem Einzelnen nicht mehr. Regelungen für den Todesfall und Regelungen im Rahmen einer geordneten und sinnvollen vorweggenommenen Erbfolge, bedürfen in erster Linie genauer – steuerlich und rechtlich unabhängiger – Vorüberlegungen. Für die Eltern ist es grundsätzlich empfehlenswert zu Lebzeiten alles Erforderliche zu regeln, um Streitigkeiten unter den Nachfahren zu vermeiden. Allein die unbegründete Angst vor hohen Beratungskosten veranlasst viele Bürger ihre Vermögensentscheidungen aufgrund von Erkenntnissen aus Biertischgesprächen und Zeitschriften zu treffen.

So sollte in der Praxis vorgegangen werden:

  1. Ermittlung und Niederschreiben der persönlichen Ziele, Wünsche, Ängste und vermeintlichen Risiken
  2. Zusammenstellung der persönlichen Daten und Unterlagen
  3. Erteilung eines Beratungsauftrags an einen Rechtsanwalt/Notar und an einen Steuerberater zur kritischen Analyse des Ist-Zustandes, Darstellung der Gestaltungsalternativen, Möglichkeiten und Risiken sowie der steuerlichen Konsequenzen
  4. Umsetzung der Empfehlung/Entscheidung und Handeln
  5. Regelmäßiges Überprüfen der getroffenen Entscheidungen und Abgleich mit den definierten Zielen.

Der Erbschaftsteuer (Schenkungsteuer) unterliegen alle Erwerbe (Vermögensübergänge) von Todes wegen (Erbfall), die Schenkungen unter Lebenden. Die persönliche Steuerpflicht tritt ein, wenn der Verstorbene, der Begünstigte, der Schenker oder der Beschenkte ein Inländer ist. Jeder der Erbschaftsteuer unterliegende Erwerb ist vom Erwerber (Begünstigten) binnen einer Frist von drei Monaten nach erlangter Kenntnis von dem Anfall dem zuständigen Finanzamt anzuzeigen. Im Falle von Schenkungen zu Lebzeiten ist die Anzeige zusätzlich von dem vorzunehmen, aus dessen Vermögen der Erwerb stammt. Die Anzeige ist nicht erforderlich, soweit der Erwerb auf einer von einem deutschen Gericht, einem deutschen Notar oder einem deutschen Konsul eröffneten Testament/Schenkungsverfügung/Zweckzuwendung beruht. Das Finanzamt kann die Abgabe einer Erbschaft- / Schenkungsteuererklärung verlangen. Ohne Aufforderung durch die Finanzverwaltung besteht keine Verpflichtung zur Abgabe einer Erbschaftsteuererklärung. Die Gerichte, Behörden, Beamten und Notare haben dem für die Verwaltung der Erbschaftsteuer zuständigen Finanzamt schriftlich Anzeige über alle Beurkundungen, Zeugnisse und Anordnungen zu erstatten, die für die Festsetzung einer Erbschaftsteuer von Bedeutung sein können. Gem. § 370 Abs. 1 Nr. 2 AO macht sich strafbar, wer pflichtwidrig das Finanzamt in Unkenntnis lässt. Die Fristen und Auflagen gilt es unbedingt einzuhalten, um Verspätungszuschläge oder gar die Einleitung eines Steuerstrafverfahrens zu vermeiden. Die Steuer entsteht mit dem Tode des Erblassers in Erbfällen soweit keine aufschiebenden Bedingungen vorliegen und bei Schenkungen mit dem Zeitpunkt der Ausführung der Schenkung (§ 9 ErbStG).

Hier eine Übersicht zu den steuerpflichtigen Vorgängen, d.h. dem Erwerb von Vermögen durch Schenkung oder Erbschaft:

Fall  
Welcher Erwerb ist steuerpflichtig? Wann entsteht die Steuerpflicht?
1. Schenkungen zu Lebzeiten Zeitpunkt der Ausführung der Schenkung
2. Erbschaft aufgrund gesetzlicher oder testamentarischer Erbfolge Todestag des Erblassers
3. Erwerb aufgrund eines Pflichtteilsanspruchs Todestag des Erblassers
4. Erwerb aufgrund eines Vermächtnisses Todestag des Erblassers
5. Erwerb aufgrund einer Auflage Mit Erhalt der Leistung/des Vermögens
6. Schenkung auf den Todesfall Todestag des Erblassers
7. Abfindung für Verzicht/Ausschlagung Mit Erklärung der Ausschlagung bzw. des Verzichts

Wesentliche Parameter zur Ermittlung der anfallenden Steuer sind der Wert des erworbenen Vermögens sowie die sachlichen und persönlichen Steuerfreibeträge und Verschonungsregelungen. Beim Wertansatz gilt als oberste Prämisse möglichst den „Gemeinen Wert“, also den am Markt üblichen Preis zum Zeitpunkt des Erwerbes festzustellen. Bei Bargeld oder Wertpapieren im Gegensatz zu Grund- und Betriebsvermögen oder gar Kunstsammlungen u.a. kein Problem. Alleine die Ermittlung der Vermögenswerte nach den Regeln des Erbschaftsteuer- und Bewertungsgesetzes bedarf fundierten fachlichen Rat (Steuerberater). Ehepartner und eingetragene Lebenspartnerschaften erben das selbstgenutzte Eigenheim steuerfrei (§ 13 Abs. 1 Nr. 4a, 4b und 4c ErbStG). Voraussetzung ist, dass sie nach der Erbschaft 10 Jahre lang in der Immobilie wohnen bleiben. Auch zu Lebzeiten können sich Ehepartner und eingetragene Lebenspartnerschaften selbstgenutzte Immobilie steuerfrei übertragen. Für Kinder ist neben den Freibeträgen ebenso die steuerfreie Übertragung von Immobilien zur Selbstnutzung möglich. Voraussetzung ist, das die Wohnfläche 200 qm nicht übersteigt und die Immobilie nach dem Erb-/Schenkungsfall 10 Jahre selbstgenutzt wird. Der Betriebsvermögensfreibetrag beträgt 150.000€. Für Erben, die das Unternehmen fortführen, können jedoch alternative Verschonungsregelungen in Anspruch genommen werden, die an Bedingungen geknüpft sind und bis zur vollständigen Steuerfreistellung führen können.

Alle Details lassen sich hier nicht darstellen. Dennoch möchten wir Ihnen nachfolgend eine grobe Übersicht zu den persönlichen Freibeträgen und Steuersätzen geben (§ 16 ErbStG).

Steuerklasse
gem. § 15 ErbStG
Begünstigter Freibetrag
gem. § 16 ErbStG
Kl. 1 Ehegatte und Lebenspartner 500.000 €
  zuzügl. Versorgungsfreibetrag gem. § 17 Abs. 1 ErbStG    
gekürzt um den Kapitalwert der Versorgungsbezüge

256.000 €
  bei Erwerb von Todeswegen    
Kinder und Stiefkinder

400.000 €

  zuzügl. Versorgungsfreibetrag gem. § 17 Abs. 2 ErbStG    
gekürzt um den Kapitalwert der Versorgungsbezüge
bei Erwerb von Todeswegen gestaffelt nach Alter!

250.000 €

  Die Kinder (Enkelkinder) verstorbener Kinder 400.000 €
  Enkelkinder 200.000 €
  Eltern und Großeltern bei Erwerb von Todes wegen 100.000 €
     
Kl. 2 Eltern und Großeltern bei Erwerb durch Schenkung 20.000 €
  die Geschwister 20.000 €
  die Kinder der Geschwister 20.000 €
  die Stiefeltern 20.000 € 
  die Schwiegerkinder 20.000 €
  die Schwiegereltern 20.000 €
  der geschiedene Ehegatte / Lebenspartner 20.000 €
     
Kl. 3 Alle übrigen Erwerber und die Zweckzuwendungen 20.000 €
     

Neben den persönlichen Freibeträgen bestehen noch weitere sachlicher Steuerbefreiungen für Hausrat und sonstiges bewegliches Vermögen, die vor Ansatz der persönlichen Freibeträge vom Erwerbsvermögen in Abzug gebracht werden. Nach Abzug der Freibeträge und ein etwa noch verbleibendes Erwerbseinkommen werden die Steuersätze gem. nachfolgender Tabelle angewandt:

Fassung ab 1.1.2010      
Steuerpflichtiger Erwerb Steuerklassen
(Nach Abzug aller Freibeträge) I II III
bis 75.000€ 7% 15% 30%
bis 300.000€ 11% 20% 30%
bis 600.000€ 15% 25% 30%
bis 6.000.000€ 19% 30% 30%
bis 13.000.000€    23% 35% 50%
bis 26.000.000€ 27% 40% 50%
über 26.000.000€ 30% 43% 50%

Das geringfügige Überschreiten der Wertgrenze einer Steuerklasse wird durch eine Härteausgleichsregelung (§ 19 Abs. 3 ErbStG) abgemildert. Die Ausführungen und Darstellungen dienen nur einem Überblick. Eine genaue Steuerberechnung und Ermittlung der Freibeträge ist ohne fachlichen Rat nicht möglich. Insoweit dienen diese Informationen nur der groben Orientierung. Sprechen Sie im konkreten Fall mit dem Berater Ihres Vertrauens.
Weitere Infos hierzu finden Sie auch unter www.steuer-gonze.de.


Ihr Dieter P. Gonze, Steuerberater

Hinweis: Der Autor, Dieter P. Gonze, ist Steuerberater und Vorstandsvorsitzender der Gonze & Schüttler AG, Steuerberatungsgesellschaft

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