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17. Mai 2012
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Der Feldhamster: Eine Tierart auf dem Rückzug

Der Feldhamster (Cricetus cricetus) war noch vor wenigen Jahrzehnten als „Getreideschädling“ verhasst und fast ausgerottet. Nur die weichen Pelze der kleinen Nager waren begehrt. Kinder konnten sich für jedes gefangene Tier Prämien verdienen. Auch allerlei Gift wurde eingesetzt, um den Nahrungskonkurrenten den Garaus zu machen – mit großem Erfolg. Feldhamster starben in vielen Regionen Deutschlands und auch Hessen aus oder wurden auf kleine voneinander isolierte Inselpopulationen reduziert.

Ähnlich verlief die Entwicklung auch im Main-Kinzig-Kreis. War die Art bis in die 1980er Jahren noch vereinzelt auch im Ostkreis anzutreffen, blieben nach der Jahrtausendwende nur noch im Westkreis zerstreute Restbestände. Und mit dem Feldhamster verschwanden vielfach weitere Tiere der Ackerflur, darunter die Grauammer, Wachtel, Rebhuhn und Bluthänfling, bedauert Michael Röth vom NABU Kreisverband Main-Kinzig.
 
Die Ursache des Rückgangs liegt in den weltweit verschärften landwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Intensivierung der ackerbaulichen Nutzung nimmt ständig zu. Düngung, Herbizideinsatz, Schaffung größerer Schläge, Einsatz größerer Maschinen oder häufigere Flächenbehandlung sind nur einige Faktoren, die hier zu Buche schlagen.

Besonders schwer hat es dabei der Feldhamster. Oft werden die Ackerstoppeln direkt nach der Ernte umgepflügt. Die wichtige Deckung als Schutz vor Greifvögeln, Fuchs oder Katze fehlt und durch verbesserte Erntetechnik fällt nur selten ein Getreidekorn auf den Boden. So gelingt es den Tieren kaum noch, genügend Vorrat für den Winter in die unterirdischen Baue einzutragen. Auch Wildkräuter – eine wichtige Nahrungsgrundlage der possierlichen Nager – fehlen auf den großen Ackerschlägen, die nur noch selten von artenreichen Feldrainen und Hecken begrenzt werden, so Michael Röth.

Weil die possierlichen Hamster in der gesamten Europäischen Union in den letzten 30 Jahren fast ausstarben, regelt die EU-Richtlinie 92/43/EWG aus dem Jahre 1992, besser als Fauna-Flora-Habitat- oder FFH-Richtlinie bekannt, den Schutz der seltenen Nager. EU-weit wird angestrebt, die letzten Populationen in einen „Günstigen Erhaltungszustand“ zu versetzen.

Inzwischen arbeiten auch im Main-Kinzig-Kreis Landwirte und Naturschützer zusammen, um das Aussterben der Art zu verhindern – und der Feldhamster hat sich zu einem sympathischen Werbeträger für den Naturschutz gemausert, erläutert die Biologin Sibylle Winkel, stellvertretende NABU-Kreisvorsitzende.
 
Für Landwirte, die Bodenbearbeitung und Erntezeitpunkt auf die Ansprüche der kleinen Pelztiere abstimmen, winken attraktive Förderprogramme über das Hessische Integrierte Agrarumweltprogramm (HIAP). Bewirtschaften muss man die Hamster-Areale in jedem Fall. Hamster mögen keine Dauerbrachen. Als typische Bewohner osteuropäischer Steppen kommt der Feldhamster in Mitteleuropa nur in ausgedehnten „Kultursteppen“ vor. Hier bevorzugt Cricetus cricetus warme, lockere Böden mit Getreidebau, so Biologin Sibylle Winkel.

Auf Einladung des NABU- Kreisverbandes Main-Kinzig berichtet der Naturschützer und Hamsterexperte Manfred Sattler über die Situation und Verbreitung des Feldhamsters im Main-Kinzig-Kreis sowie aktuelle Maßnahmen zum Schutz der Art.
Der Fachvortag greift Systematik, Kennzeichen, Verbreitung und Lebensraum des Tieres auf. Mit reichhaltigem Bildmaterial wird der Feldhamster in seinem Biotop vorgestellt.
 
Freitag, den 10. Februar 2012, 19:30 Uhr
Bürgerhaus Biebergemünd
Veranstalter: NABU Kreisverband Main-Kinzig
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

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