Baugesellschaft gewährt Einblick in Gutachten

Hanau - „Wir halten unser Versprechen und gewähren den Mietern der Baugesellschaft von der Französischen Allee die geforderte Transparenz“. So kommentiert Hanaus Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel ein Schreiben an eine Mietervertreterin vom Wohnquartier an der Wallonisch-Niederländischen Kirche, das die Baugesellschaft für nicht sanierungsfähig hält. Dies belegt ein Gutachten, welches die Baugesellschaft bei einer Architektin in Auftrag gegeben hat und in das die Mietervertreter Einblick nehmen können.

Dafür hat Baugesellschaft-Geschäftsführer Jens Gottwald vier Termine Ende September und Anfang Oktober zur Auswahl gestellt. Gottwald fasst die wichtigsten Ergebnisse dieses Gutachtens so zusammen: „Für die notwendige neue Heizung in  allen Wohnblocks wäre eine Kernsanierung notwendig. Dafür ist aber die Gebäudesubstanz zu schlecht.“ Gottwald fügt auch die zu niedrigen Deckenhöhen als Hinderungsgrund für eine Sanierung an: „Damit ist die notwendige Trittschall-Dämmung nicht möglich.“

In dem Schreiben an die Mietervertreterin beantwortet die Baugesellschaft Fragen der Mieter, die diese anlässlich der jüngsten Mieterversammlung gestellt hatten. Auch darin heißt es: „Eine Sanierung kommt aufgrund der Bausubstanz und der Grundrisse nicht in Frage. Weiterhin ist aus wirtschaftlicher Sicht eine Sanierung nicht durchführbar.“

In dem Schreiben begründet die Baugesellschaft auch den  „vereinzelten Leerstand“ einiger ihrer Wohnungen: Diese seien wegen ihrer mangelnden Ausstattung nicht mehr vermietbar oder weil sie Bestandteile im Rahmen einer Gesamtplanung seien. Einzelne Wohnungen zu sanieren, sei nicht wirtschaftlich und führe zu hohen Mieten. Mieteinnahmen aus Häusern der Entstehungsjahre 1950 bis 1965 seien „lediglich ausreichend, um die Unterhaltung der Häuser zu sichern.“ (bauhu)

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Baugesellschaft beantwortet Fragen

Einleitung: Der von Frau Cerniglia in Papierform am 04.07.2009 übergebene Fragenkatalog wurde seitens der Baugesellschaft Hanau wortgenau abgeschrieben. So konnten die Antworten zu den jeweiligen Fragen an der richtigen Stelle eingefügt werden. Die Antworten der Baugesellschaft Hanau und der Stadt Hanau sind rot eingefärbt.


Fragenkatalog zur Mieterversammlung Baugesellschaft am 04.07.2009 Aula Brüder-Grimm-Schule um 10:00 Uhr



1.    Da das Thema alle betrifft, möchten wir wissen, warum der Termin aufgeteilt wurde?

Antwort: Aufgrund der zu geringen Kapazität der Räumlichkeit der Brüder-Grimm-Schule und der zu großen Anzahl der einzuladenden Mieter (insgesamt 105 Mietparteien) hat die Baugesellschaft Hanau diese Aufteilung vorgenommen.
Weiterhin wäre eine maximale Anzahl von ca. 60 Mietern pro Versammlung genau die richtige Größe gewesen, um eine Diskussion zu führen und Fragen zu beantworten. Die genaue Anzahl an Teilnehmern war vorher nicht absehbar. Aufgrund der Erfahrungen der Mitarbeiter der Baugesellschaft Hanau kommt noch hinzu, dass in der Regel jeder Mieter individuelle Fragen hat, die er gerne beantwortet haben möchte. Dies ist bei mehr als 60 Personen nicht zu leisten.


2.    Wieso sind nicht alle betroffenen Mieter der südlichen Innenstadt gemeinsam eingeladen worden?

Antwort: Die derzeit betroffenen Mieter sind alle - wie angekündigt - vor den Hessischen Sommerferien eingeladen worden. Warum nicht gemeinsam, wurde bereits in Frage eins (1) beantwortet.

3.    Der jetzige Zeitpunkt ist aufgrund der Sommerzeit sehr ungünstig gewählt, da einige Mieter sich bereits im Urlaub befinden. Wieso wurde nicht nach der Präsentation Ende März im CPH zu einer Mieterversammlung, wie vorgesehen, eingeladen?

Antwort: Das ist so nicht richtig. Anlässlich der letzten Zusammenkunft im Stadtladen Südlicht wurde Frau Cerniglia mitgeteilt, dass noch vor den Hessischen Sommerferien zu einer Mieterversammlung eingeladen werden soll, was auch geschah. Dementsprechend wurde diese Zusage eingehalten und der Einladungstermin vor der eigentlichen Reisezeit gewählt.
Weiterhin kann man dazu folgendes ausführen: Viele Mieter die sich zu diesem Zeitpunkt doch schon im Urlaub befanden, haben bereits vorweg das Einzelgespräch mit der Baugeselslchaft Hanau gesucht oder einen Termin nach den Sommerferien vereinbart.


4.    Wann soll mit dem Abriss begonnen werden und welche Häuser sind davon betroffen?

Antwort: Von einem Abriss ist die Liegenschaft westlich des Platzes der Wallonisch-Niederländischen Kirche betroffen. Dies sind: Französische Allee 17-25, Altstr. 1-5, Steinheimer Str. 6-12, Hahnenstr. 2-8.
Wie anlässlich der Mieterversammlung mitgeteilt, dürfte frühstens 2011 mit dem Beginn der Abrissarbeiten zu rechnen sein.


5.    Warum sollen die Wohneinheiten in diesem Quartier überhaupt abgerissen werden?

Antwort: Eine Sanierung kommt aufgrund der Bausubstanz und der Grundrisse nicht in Frage. Weiterhin ist aus wirtschaftlicher Sicht eine Sanierung nicht durchführbar.

6.    Gibt es Gutachten von Experten über Statik und Bausubstanz, die belegen, dass die Häuser nicht sanierungsfähig sind? Sind sie bereit, diese öffentlich zu machen?

Antwort: Aufgrund einer Begehung der unter Ziffer 4. angegebenen Liegenschaft durch Mitarbeiter der Bauabteilung und Technik der Baugesellschaft Hanau, existiert eine Bewertung, mit der klaren Empfehlung, diese Liegenschaft aufgrund der Bausubstanz und der vorgefundenen Raummaße nicht zu sanieren. Eine Wirtschaftlichkeit der Sanierung wäre nicht gegeben.
Diese Unterlagen können gerne hier bei uns im Hause eingesehen werden.

 

7.    Wir haben uns fachlich beraten lassen, danach sind die Häuser sanierungsfähig. Wir sind bereit, ihnen ein Gutachten zu gegebener Zeit vorzulegen.

Antwort: Gerne können Sie uns ein Gutachten übermitteln. Dies ändert allerdings nichts an den bisherigen Ausführungen.
   

8.    Wieso wurde nicht, wie vorgesehen, schon vor ca. 12 Jahren saniert? Beziehungsweise, wurde in der Mieter Info 4/2000 angekündigt, dass 2004 u.a. Sanierungen im betroffenen Quartier von der Baugesellschaft durchgeführt werden sollten.
   
Antwort: Es ist mühsam in der Vergangenheit zu stöbern. Sie haben völlig recht, es wurde tatsächlich, trotz Ankündigung nicht saniert. Damals war noch nicht absehbar, dass eine Sanierung wirtschaftlich nicht durchführbar sein würde.
Aus diesem Grund werden sämtliche betroffene Personen jetzt auch ausführlich und umfangreich informiert.


9.    Was bedeutet der Begriff „Sanierungsstau", der immer als Entschuldigung dient?

Antwort: Sanierungsstau bedeutet in der Regel, dass es mehrere Objekte und Liegenschaften gibt, die alle den gleichen Aufwand an Sanierungsbedarf haben. Da nicht alle Liegenschaften auf einmal in Angriff genommen werden können, d.h. modernisiert und saniert werden können, kommt es dann zu einem Sanierungsstau.

10.    Wo sind die Gelder, z.B. unsere Mieten und die Zuschüsse vom Bund-Länder-Förderprogramm „Soziale Stadt", die schon seit 2001 bewilligt wurden, um in einem Zeitraum von 10 Jahren die südliche Innenstadt aufzuwerten? (1)

Antwort: Die Fördermittel aus dem Bund-Länder-Programm Soziale Stadt sind insbesondere für die städtebauliche Aufwertung und Stärkung der sozialen Infrastruktur in dem Fördergebiet einzusetzen. Es sollen Plätze, Flächen und Straßen mit Aufenthaltsqualität geschaffen sowie der soziale Zusammenhalt in dem Quartier erhöht werden. Bislang sind aus dem Programm Soziale Stadt u.a. der Bürgerpark an der Friedrich-Ebert-Anlage, die Schulhofumgestaltungen an der Brüder-Grimm-Schule und der Pedro-Jung-Schule, die Plätze in der Gärtnerstraße, Um- und Neugestaltung der Lang- und Krämerstraße sowie des Heumarktes gefördert worden. Mit den Fördermitteln wird zudem der Stadtteilladen Südlicht betrieben, der insbesondere die sozialen Belange der Bewohnerinnen und Bewohner der Südlichen Innenstadt unterstützt.

Mit den Fördermitteln werden keine Sanierungen von Wohngebäuden unterstützt; in Einzelfällen können bei gewerblich genutzten Immobilien Zuschüsse zu Fassaden- und Schaufensterneugestaltungen erfolgen.

Neben den laufenden Instandhaltungsmaßnahmen, auch einer teilweise dringend erforderlichen Dachsanierung der betroffenen Häuser, wurde seitens der Baugesellschaft Hanau auch in Neubaumaßnahmen im Gebiet Südliche Innenstadt investiert, die mittlerweile sehr gut angenommen werden.


(1) Frankfurter Rundschau online vom 27.11.2001

11.    Wieso wurde der Bereich um die Wallonisch Niederländische Kirche aus dem Projekt „Soziale Stadt" herausgenommen und dem Wettbewerblichen Dialog zugeschlagen?

Antwort: Der Bereich rund um die Wallonisch-Niederländische Kirche ist nicht aus dem Förderprogramm Soziale Stadt herausgelöst worden; das Fördergebiet bleibt unverändert bis zum Ende des Programms (etwa 2012) bestehen.

12.    Warum ist Herr Günther – als Vorsitzender Geschäftsführer – heute nicht anwesend; denn er ist verantwortlich für den derzeitigen Zustand der Gebäude?

Antwort: Wie bereits anlässlich der Mieterversammlung vom 04.07.09 mitgeteilt, hatte Herr Günther bereits seit längerem andere Termine und wurde von Herrn Geschäftsführerkollegen Gottwald entschuldigt und vertreten.   


13.    Warum hat der Oberbürgermeister in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender es nicht für nötig befunden, heute hierzu erscheinen?

Antwort: Der „Unterton“ dieser Frage ist nicht angemessen. Herr Oberbürgermeister Kaminsky, der gleichzeitig auch Aufsichtsratsvorsitzender der Baugesellschaft ist, nimmt diese Angelegenheit sehr ernst. Gerade er war es, der es anregte einen umfassenden Sozialplan für die betroffenen Mieter zu entwickeln und zu verabschieden. Von Anfang an begleitet er die Auswirkungen des Wettbewerblichen Dialogs kritisch und sieht sehr wohl, dass von Veränderungen auch Personen dieser Stadt betroffen sein werden.

Allerdings will er, legitimiert und unterstützt von der Stadtverordnetenversammlung, zum Wohle der Mehrheit der Bürger der Stadt Hanau eine umfassende Veränderung und Stadtentwicklung herbeiführen, um eine Vielzahl von Konfliktfeldern zu beseitigen und gravierende Schieflagen, die jahrzehntelang nicht angefasst wurden, positiv zu verändern.


14.    Weshalb hat man uns in der Vergangenheit eine, schon oft gewünschte, Mieterversammlung verwärt?
Man sollte die Vergangenheit zum heutigen Zeitpunkt bei den anstehenden Entscheidungen nicht mehr bemühen. Die genauen Gründe entziehen sich unserer Kenntnis.

Antwort: Wir versichern Ihnen jedoch heute, dass es nun aufgrund des Bedarfs regelmäßige Mieterversammlungen geben wird. Wie bereits in der Versammlung vom 04.07.09 angekündigt, werden wir die nächste Mieterversammlung noch in diesem Jahr einberufen. Die nächste Mieterversammlung wird definitiv im Zeitraum zwischen Ende Oktober bis Ende November 2009 stattfinden.


15.    Wenn so viele Wohnungen der Baugesellschaft im ganzen Stadtgebiet von Hanau schon viele Jahre leer stehen, fehlen natürlich die Mieteinnahmen, um unsere Wohnanlagen in Ordnung zu halten oder zu sanieren. Warum, machen sie eine solche Wohnungspolitik?

Antwort: Sicherlich stehen vereinzelt Wohnungen der Baugesellschaft Hanau seit längerer Zeit leer. Jedoch gibt es dafür auch Gründe. Teilweise sind die Wohnungen mit der Ausstattung in der Form nicht mehr vermietbar, teilweise wird eine Gesamtplanung vorgenommen und teilweise stehen andere Gründe einer momentanen Vermietung entgegen. Einzelmaßnahmen - sprich einzelne Wohnungen zu sanieren - ist nicht wirtschaftlich und führt zu hohen Mieten. Mieteinnahmen aus Wohnungen die im Zeitraum der Jahre 1950 – 1965 gebaut wurden, können nicht als Investionskapital gesehen werden. Diese Mieteinnahmen sind lediglich ausreichend, um die Unterhaltung der Häuser zu sichern.
 

16.    Sind sie bereit unsere Fragen schriftlich zu beantworten?

Antwort: Ja, aus diesem Grund haben wir den Fragebogen entgegengenommen. Wie versprochen übersenden wir Ihnen diesen schriftlich beantwortet im September 2009.



Fragen: Sprecherinnen Mieterrat
Jutta Cerniglia und Erika Sklaretzki

Antworten: Baugesellschaft Hanau

 

 

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