Lamboypark wurde vor 15 Jahren eröffnet

lamboypark 740Ordentlich anstellen ist Pflicht: Lamboypark-Leiterin Undine Möbus notiert den Namen jedes Kindes, das sich ein Spiel, einen Fußball oder ein Fahrzeug ausleihen will. Foto: Stadt Hanau -
Am 8. Mai wird ein großes Fest gefeiert -
Hanau. „Der Lamboypark ist mein zweites Zuhause.“ Der Zehnjährige kommt  fast jeden Tag nach der Schule in den Jugendtreff nördlich der Lamboystraße. Und er spricht für viele der 500 Kinder und Jugendlichen, für die der Lamboypark eine wichtige Anlaufstelle im Stadtgebiet Lamboy Tümpelgarten ist.  Vor 15 Jahren wurde er eröffnet. Am 8. Mai wird das von 14 bis 18 Uhr mit einem großen Fest gefeiert.

Durch die Konversionsentwicklung nach dem Abzug der US-Amerikaner 1991 und 2008 habe sich der Stadtteil zum Positiven gewandelt, konstatiert Oberbürgermeister Claus Kaminsky. Die Wohnsiedlungen Francoisgärten, Cardwell, Yorkhof, Brüder-Grimm-Park und das Reihenhaus-Quartier samt  Fachmarktzentrum am Kinzigbogen seien entstanden, das Gefahrenabwehrzentrum, die Hauptfeuerwache und diverse Gewerbeansiedlungen von Dienstleistern und Autohäusern.  Aus einer Gegend mit schlechtem Image sei ein prosperierendes Quartier geworden, das mit seiner guten Infrastruktur besonders junge Familien anziehe. „Wir haben Städtebau mit sozialapolitischen Projekten verknüpft“, erklärt Sozialdezernent Axel Weis-Thiel. Dadurch sei der Stadtteil nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich aufgewertet worden.
 „Diese städtebauliche Wandlung hat auch die Menschen verändert“, weiß Lamboypark-Leiterin Undine Möbus aus ihrer Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen und deren Eltern. Sie fühlten sich wertgeschätzt, wenn sich politisch Verantwortliche dafür einsetzen, dass unbefriedigende Wohnverhältnisse verbessert werden. Im Rahmen der sozialen Stadterneuerung aus Mitteln des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“ wurde 1999 der Sportplatz zwischen der Gebeschussschule und der Albert-Schweitzer-Kindertagesstätte zu einem Ort der Begegnung vor allem für die Menschen in den umliegenden Wohnblocks umgestaltet. Seinerzeit mangelte es an Angeboten für Jugendliche. Sie trafen sich auf dem Spielplatz vor der Kita. Aus Langeweile erwuchsen Frust, Ärger, Streitigkeiten. Mit der Eröffnung des weitläufigen Sport- und Freizeitgeländes im Mai 2000 entwickelte sich ein Wir-Gefühl im Quartier. Der Lamboypark war von den Kindern und Jugendlichen gewollt und sie übernahmen dafür auch ein Stück Verantwortung. „Wenn mir etwas wichtig ist, sorge ich dafür, dass es so bleibt“, sagt Undine Möbus. Sie war von Anfang an die zentrale Figur in der Jugendarbeit im Lamboypark, ihre Basis der Jugendtreff im ehemaligen Umkleidegebäude.
Bei ihr gelten klare Regeln, auf deren Einhalten sie besteht. „Das gilt für Kinder wie für Erwachsene, für Frauen wie Männer.“ Die Erzieherin, für die ihr Beruf Berufung ist, weiß um die Sorgen und Nöte im Stadtteil. Ein bis zweimal in der  Woche verlässt sie den Lamboypark und schlendert durch das Viertel, spricht auf der Straße mit den Menschen, wird zum Tee ins Haus gebeten. „Auf diesen Streifzügen erfahre ich Dinge, die sie mir in meinem offiziellen Büro wahrscheinlich nicht erzählen würden.“
Kaum öffnet der Jugendtreff montags bis freitags um 14 Uhr seine Türen ist die Bude voll und Undine Möbus eine gefragter Gesprächspartnerin. 90 Prozent der jungen Besucherinnen und Besucher haben ausländische Wurzeln. Viele kommen aus kinderreichen Familien und leben in kleinen Wohnungen, in denen es oft an Platz  mangelt, um in Ruhe die Hausaufgabe zu erledigen. Wer dabei mehr Unterstützung benötigt, den vermittelt sie ins Nachbarschaftshaus Lamboy Tümpelgarten. Dort konzentriert sich die sozialpädagogische Lernförderung, seit die Jugendarbeit im Lamboypark durch eine Personalaufstockung verstärkt wurde. Die Sozialpädagogin Birgül Koyupinar steht Undine Möbus seit April 2014 zur Seite. Sie kümmert sich vor allem um die Arbeit mit Erwachsenen, bietet Beratung sowie Frauen- und Väterkurse an. Hinzu kommen Ehrenamtliche. Oft sind es ehemalige Besucher des Jugendtreffs, die während ihrer Ausbildung oder ihres Studium „etwas zurückgeben wollen“ für die gute Begleitung ihrer Kindheit und Jugend im Lamboypark. Sie kommen bei den Projekten zum Zug, von denen es in den vergangenen 15 Jahren eine Menge gab, immer mit Beteiligung der Kinder und Jugendlichen, denn dann sind sie mit Feuereifer dabei. Als Beispiele nennt Undine Möbus die Gestaltung der Freifläche zwischen der Schwarzenbergstraße und dem Schulzentrum Hessen-Homburg 2006, den Bau mehrerer Sitzgruppen aus Ytongsteinen im Lamboypark, den Einkaufsdienst mit Bollerwagen für die Menschen in der Altenwohnanlage Friedrich-Engels-Straße 2013, die Holz- und die Fahrradwerkstatt ein Jahr später.
„Wir sind mit unserer Jugendarbeit immer dicht dran an den Bedürfnissen der Kinder, Jugendlichen und deren Eltern“, betont Axel Weiss-Thiel. „Mein Konzept ist dynamisch und ändert sich manchmal halbjährlich“, erzählt  Undine Möbus aus der Praxis. Sie greift auf, was  die Menschen im Quartier bewegt. „Mal war es die Kopftuch-Debatte, mal Erziehungs- und Generationenkonflikte, mal das schwierige Miteinander der Religionen.“ Letzteres Thema ging sie 2012 mit Brigitte Tabor von der katholischen Pfarrgemeinde Heilig Geist an. Muslimische und katholische Jugendliche besuchten gegenseitig ihre Gebetsstätten, sprachen über Trennendes und Gemeinsame und bauten mit wachsender Vertrautheit auch Vorurteile ab.  Dieses positive Miteinander wirkte bis in die Familien hinein.
Immer wieder neue Netzwerkpartner zu gewinnen sei das A und O in der Jugendarbeit, so der Sozialdezernent. „Das schafft nicht nur Synergien im Sozialraum, sondern verbindet vor allem Menschen unterschiedlicher Kulturen, Nationen und Professionen zum Wohl aller.“  So gab und gibt es Kooperationen mit dem Lamboyladen, der  Gebeschussschule, dem Umweltzentrum, der Jugendkunstschule, der Polizei, dem Jugendhilfeverein Sprungbrett, Handwerksbetrieben, Kindertagesstätten, Moscheevereinen und Kirchen.
Beim Fest zum 15. Geburtstag des Lamboyparks werden wieder viele mit dabei sein. Um 14 Uhr eröffnen Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stadtrat Axel Weiss-Thiel das Programm. Es wird Tanz-, Musik-, Akrobatik- und Theatervorführungen geben, Filme über den Alltag und Projekte im Lamboypark und Lamboyladen, Sport mit dem Verein American Future pro America Sports und einen Mitmachzirkus. Der Brandschutzbus der Hanauer Feuerwehr parkt auf dem Gelände, , das „Klingende Mobil“ voller Musikinstrumente zum Ausprobieren, das Spielmobil „Augustinchen“ und die Energieberatergruppe des Umweltzentrums, die ihre Solarkisten vorstellen und die Berufs- und Technikerschule  Butzbach mit ihrem Pflanzenöl-Bus. (pshu)

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