Mit Dampf auf der historischen Strecke der Hanau-Bebraer Eisenbahn

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Der Zug der Museumseisenbahn Hanau e.V. am Bahnsteig 3

Hanauer Museumseisenbahn hatte zu "Bebra wieder unter Dampf" eingeladen
(von Günter Gottlieb)
Der Bahnsteig auf dem Hanauer Hauptbahnhof war voll Menschen mit Rucksäcken, Fotoapparaten und Videokameras. Auf dem Gleis stand der Zug der Museumseisenbahner mit der Lok "Stadt Hanau" 50 3552-2 an der Spitze. Überall frohe Erwartung bei den Reisenden. Auf dem Nachbargleis kommt ein weiterer Dampfzug an. Der Frankfurter Zug des Vereins Historische Eisenbahn Frankfurt e.V. ist mit der Schnellzuglokomotive 01 118 bestückt. Es ist ein Luxuszug mit alten D-Zug-Wagen 1., 2. und Salonklasse. Im Gegensatz zu unserem Hanauer Zug wirklich ein Schnellzug. Die Lok schafft 140 km/h Spitze. Die "Stadt Hanau" 50 3552-2 ist keine Schnellzuglokomotive. Sie wurde für Güterzüge gebaut und sollte mit viel Power viele schwere Waggons ziehen.

 

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Es ist Pfingstsonntag, wunderschönes Wetter, klarer Himmel, die Sonne scheint. Ideale Bedingungen für einen schönen Ausflug. Dies denken sicher auch die vielen Schaulustigen entlang der Bahnstrecke. Überall stehen sie und winken uns zu. So muss sich die englische Queen fühlen, wenn sie durch die Strassen von London kutschiert. Auch die Menschen an Rande der Bahnstrecke haben ihre Videokameras auf Stative montiert und fotografieren gleichzeitig mit ihren Kameras. Erstaunlich, welche Anziehungskraft diese fauchen Ungeheuer besitzen. Ab und zu ertönt die Pfeife der Lokomotive und grüsst die Fans wie eine Diva die sich durch das Spalier ihrer Bewunderer drängt. Hinter Schlüchtern geht es durch einen Tunnel von 3,5 km. Die Fenster werden geschlossen.

Ein weiterer Halt in Fulda um weitere Gäste aufzunehmen. Nun ist der Zug gut gefüllt. Sogar die "Holzklasse" ist besetzt. Die Fahrt dauerte bisher zwei Stunden.

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Auf dem Fuldaer Hauptbahnhof steht der Tunnelrettungszug. Bei den Reisenden, Experten und Expertinnen in Sachen Dampfeisenbahn sowie auch Familien mit Kindern kommt schnell das Gespräch auf den Unfall mit den Schafen im Landrückentunnel. Und plötzlich kommen die Geschichten raus. "Ach ja, damals bei "Rhein in Flammen". Wir standen auf der Strecke und nichts ging mehr. Niemand hat uns Bescheid gesagt, was eigentlich los ist. Irgendwie kamen wir dann um 5 Uhr früh auf dem Frankfurter Hauptbahnhof an und mussten mit dem Taxi weiterfahren." Und, "weißt Du noch, die Fahrt nach Strassburg, die Franzosen haben die Lok nicht rein gelassen. da musste erst eine Ersatzlok bei." Ja, es ist wirklich schön und unterhaltsam als Newbie bei den Eisenbahnern dabei zu sein.

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Wieder mal ein Zwangshalt. Die "Stadt Hanau" ist zu langsam für die heutige Eisenbahnzeit. Immer wieder muss der Dampfzug auf ein Nebengleis um reguläre ICEs oder Güterzüge vorbei zu lassen. Es geht vorbei an Bad Hersfeld und ich denke an die gestrige Premiere der Hanauer Märchenfestspiele. Bald wird das Hanauer Ensemble hier in der Stadt bei den hiesigen Festspielen auftreten. Vor Weihnachten empfahl ich dem Intendanten Dieter Gring einmal mit den Museumseisenbahnern wegen eines Hanauers Theaterzuges zu sprechen. Ob inzwischen etwas passiert ist? Es wäre eine tolle Reklame für die Märchenfestspiele!

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Auf der rechten Seite kommt ein wunderschöner alter Wasserturm ins Blickfeld. Mit großen Buchstaben ist BEBRA drauf geschrieben. Wir sind angekommen. Angekommen? Nein, dies ist wirklich der verkehrte Ausdruck! Wir werden empfangen wie einst der Kaiser persönlich.

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Im strahlenden Sonnenlicht stehen tausende von Menschen wiederum mit Fotoapparaten und Videokameras bewaffnet und bejubeln unsere Einfahrt. Das ist der richtige Moment für ein wirklich lautes Pfeifen aus dem fauchenden Dampfkessel. Der Zug steht.

 

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