Der Mini Job oder 450 € Job erfreut sich größter Beliebtheit

Unter dem Begriff „Mini-Job" wird allgemein ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis (§ 8 Abs. 1 Nr. 1 SGB IV) eines Arbeitnehmers verstanden, dass nicht der „normalen" Lohnbesteuerung nach den Lohnsteuerabzugsmerkmalen (früher Lohnsteuerkarte) und Sozialversicherungsabzügen unterliegt. Allein schon aus diesem Grund erfreut sich Beschäftigungsverhältnis bei Arbeitnehmern seit Jahren größter Beliebtheit. In der BRD bestanden im Jahre 2015 rund 6,69 Millionen geringfügige Beschäftigungsverhältnisse (Statistik Minijob-Zentrale).

 

Jeder Bürger kann als Arbeitnehmer einen sogenannten Mini-Job oder im Volksmund bisher auch „400-Euro-Job" ausführen. Dies mit einer Entlohnung von monatlich maximal 450 €. Es kann sich auch um die zeitgleiche Ausübung mehrerer kleinerer Jobs (Beispiel: Reinigungshilfe) handeln, die in ihrer Gesamtsumme den Höchstbetrag aber nicht übersteigen dürfen (§ 8 Abs. 2 Satz 1 SGB IV). Für Minijobber gilt der Grundsatz der Gleichbehandlung gegenüber den anderen Arbeitnehmern im Betrieb.

Sie haben demgemäß gegebenenfalls Ansprüche nach dem Kündigungsschutzgesetz, Arbeitgeberregelungen zum Urlaubs und Weihnachtsgeld, auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Entgeltfortzahlung bei Krankheit des Kindes, auf die gesetzlichen Regelungen zum Mutterschutz und Urlaubsanspruch. Auch für die Minijobber gelten die strengen Regelungen zum Mindestlohn. Der Arbeitnehmer zahlt - bis auf eigene Rentenversicherungsbeiträge bei bestehender Rentenversicherungspflicht - keine weiteren Abgaben.

Tipp: „freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung": Durch die freiwillige Zahlung eigener Rentenversicherungsbeiträge hat der Arbeitnehmer die Möglichkeit mit relativ niedrigen eigenen Beiträgen (ab 2015= 3,7 %) vollwertige Beschäftigungszeiten in der Rentenversicherung zu erwerben. Dies wirkt für sich positiv auf Rentenansprüche, Reha-Maßnahmen, den Zugang zu Altersvorsorgeprodukten (Riester) u.a. aus. Der Arbeitnehmer zahlt - bei Beschäftigung bei einem gewerblichen Arbeitgeber - nur die Differenz zwischen dem vom Arbeitgeber aufzubringenden pauschalen Rentenversicherungsbeitrags (15 %) und dem aktuellen Rentenversicherungssatz (ab 2015: 18,7 %) von 3,7 %. Bei einem Mini-Job von 450 € sind dies 16,65 €.

Detailinformationen hierzu sind im Internet unter www.minijob-zentrale.de zu finden.

Für den Arbeitgeber gelten eine Reihe von Pflichten. Die Arbeitgeber werden unterschieden in „private Arbeitgeber“, bei Arbeiten in einem Privathaushalt und gewerbliche Arbeitgeber, bei Arbeiten in einem Unternehmen. Gewerbliche Arbeitgeber führen an die Minijobzentrale pauschal 31,3 % bezogen auf den Lohn an Abgaben ab (2 % Lohnsteuer, 13 % Krankenversicherung, 15 % Rentenversicherung, 0,9 % Umlage 1, 0,3 % Umlage 2, 0,09 % Insolvenzgeldumlage).

Private Arbeitgeber führen an die Minijobzentrale pauschal 12,8 % bezogen auf den Lohn an Abgaben ab (5 % Krankenversicherung, 5 % Rentenversicherung, 0,9 % Umlage 1, 0,3 % Umlage 2, 1,6 % Unfallversicherung). Der Arbeitnehmer hat bei einer Beschäftigung bei einem privaten Arbeitgeber und bestehender Rentenversicherungspflicht jedoch einen Eigenbeitrag zur Rentenversicherung in Höhe von 13,7 % des Bruttolohnes aufzuwenden. Der Arbeitgeber ist verpflichtet,  unabhängig von festen Regelungen im Arbeitsvertrag,  die tatsächlichen Arbeitszeiten des Arbeitnehmers festzuhalten / aufzuzeichnen. Dies zur Überprüfung, ob ein Verstoß gegen das Mindestlohngesetz vorliegt. Die Nichtaufzeichnung kann mit einem Bußgeld geahndet werden. Eine Überprüfung findet regelmäßig durch die Sozialsicherungsprüfer statt. Die gesetzlichen Grundlagen hierfür sind in §8 IV SGB und §17 MiLoG geregelt. Das  Bundesarbeitsministerium hält auf seiner Homepage hierfür Mustervordrucke  und eine Erfassungs-App bereit.

Als Fazit ist festzuhalten, dass der Mini Job sowohl für den Arbeitnehmer wie für den Arbeitgeber erhebliche Vorteile bietet. Dem Arbeitnehmer wird ein Hinzuverdienst ermöglicht, der von ihm bis auf eigene Rentenversicherungsbeiträge keine weiteren Arbeitnehmerabzüge für Arbeitslosenversicherung, Krankenversicherung, Einkommensteuer, Soli-Zuschlag und Kirchensteuer fordert. Der Arbeitnehmer erspart sich damit ist zu 20 % Abgaben zur Sozialversicherung und bis zu 48 % an Steuern.

Bereits bei einer Steuerbelastung in der Spitze von 30 % und den Arbeitnehmerbeiträgen zur Sozialversicherung von rund 20 % müsste er im normalen Anstellungsverhältnis für seine Arbeitsleistung rund das Doppelte an Bruttolohn erzielen um auf den gleichen Nettolohn zu kommen. Für rüstige Rentner und vor Ruheständler bedeutet der Mini Job in der Regel auch keine Kürzung ihrer sonstigen Rentenansprüche. Der Mini Job bietet jedoch auch für den Arbeitgeber erhebliche Vorteile. Der Arbeitgeber kann unbürokratisch ständige Spitzenbelastungen seiner Vollzeitkräfte über Minijobber abfangen. Dies ist auch dann besonders interessant, wenn bei Voll- und Teilzeitkräften der Arbeitsmarkt praktisch leergefegt ist, aber gut ausgebildete Fachkräfte mit Berufserfahrung bereit sind im zeitlich begrenzten Umfang im Rahmen eines Minijobs tätig zu werden. Das gleiche gilt für die Abdeckung von Arbeitszeiten die außerhalb der üblichen Geschäftszeiten liegen. Verbraucherfreundliche Öffnungszeiten von beispielsweise 8:00 Uhr bis 20:00 Uhr lassen sich heute nur noch schwer mit Vollzeitkräften abdecken.

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